Postdienste

Entlastungszeit frühzeitig beantragen

bewegen 1/2019

Entlastungszeit frühzeitig beantragen

Mit der Tarifrunde im vorigen Jahr hat ver.di erstmals für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Deutschen Post AG die Möglichkeit geschaffen, anstelle der Tariferhöhung von drei Prozent eine Entlastungszeit von 60,27 Stunden zu beanspruchen.

Fragen zur Entlastungszeit Andreas Schulz Fragen zur Entlastungszeit

Die Wahl von Entlastungszeit muss bis zum 30. September des Vorjahres erfolgen. Die Entlastungszeit wird dann im folgenden Kalenderjahr gewährt. Sie muss bis zum 31. Dezember abgewickelt sein. Nicht abgewickelte Entlastungszeiten werden zum erhöhten Tarif ausgezahlt. Geregelt ist die Entlastungszeit im Paragraf 24a des Manteltarifvertrags (MTV-DP AG). Für das Kalenderjahr 2019 haben 19.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Entlastungszeit gewählt.

bewegen: Was bei der Abwicklung von Entlastungszeit zu beachten ist und warum es wichtig ist, die Entlastungszeit frühzeitig zu beantragen, fragten wir den Tarifexperten in ver.di, Stephan Teuscher.

Stephan Teuscher: Die Entlastungszeit dient der ganztägigen oder mehrtägigen Freistellung von der Arbeit, insbesondere auch in Verbindung mit Urlaub, Freizeitausgleich, Wochenenden und Feiertagen. Bei der Abwicklung von Entlastungszeit ist laut MTV-DP AG zu berücksichtigen, „dass die Abwicklung von Erholungsurlaub nicht durch die Abwicklung von Entlastungszeiten beeinträchtigt wird“. Was eine Beeinträchtigung ist, haben die Tarifvertragsparteien in der Ergebnisniederschrift in den Tarifverhandlungen klargestellt: „Die Inanspruchnahme zusätzlicher Entlastungszeit kann nicht dazu führen, dass Erholungsurlaub gegen Entlastungszeit getauscht wird.“ Auslegungen, dass Urlaubsansprüche verplant oder abgewickelt sein müssen, bevor eine Freistellung durch Entlastungszeit erfolgen kann, widerspricht dem Zweck der Entlastungszeit und den tarifvertraglichen Bestimmungen zur Freistellung aus Entlastungszeit des MTV-DP AG.

Die Entlastungszeit sollte möglichst früh beantragt und immer schriftlich gestellt werden. Der Antrag muss unverzüglich beantwortet werden. Jeder Antrag ist zu genehmigen, wenn keine betrieblichen Interessen entgegenstehen. Wenn also bei frühzeitiger Beantragung einer Freistellung keine betrieblichen Gründe bekannt sind, die eine Freistellung unmöglich machen, ist der Antrag auf Freistellung aus Entlastungszeit zu genehmigen. Bei Ablehnung aus betrieblichen Gründen, sind mindestens zwei, zeitnah am Freistellungswunsch liegende, Ersatztermine vom Arbeitgeber vorzuschlagen. Ein Widerruf bereits genehmigter Entlastungszeit ist nur mit Einverständnis des Beschäftigten möglich. Schon aus dem Grund sollte die Freistellung frühzeitig beantragt werden. Wer also schon mit Beginn des Jahres seine gesamte Entlastungszeit verplant und beantragt, hat frühzeitig Klarheit und Planungssicherheit über die Freistellung. Bei Erkrankung in der Freistellung und Bescheinigung durch ärztliche Krankschreibung werden für diese Tage keine Entlastungszeiten abgebucht.